Work-and-Stay-Agentur: Ein Jahr nach dem Koalitionsvertrag - was wurde versprochen, was wurde umgesetzt?

ON7 Redaktion
4 Min. Lesezeit
12.05.2026
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Als CDU/CSU und SPD im April 2025 ihren Koalitionsvertrag vorlegten, war die Botschaft klar: Deutschland will Fachkräfteeinwanderung grundlegend neu organisieren. Zentraler Baustein dabei: die sogenannte „Work-and-Stay-Agentur” - eine digitale One-Stop-Plattform, die alle Verfahren der Erwerbsmigration bündeln und beschleunigen soll. Ein ambitioniertes Versprechen.

Ein Jahr später lohnt sich ein ehrlicher Blick: Was wurde seitdem konkret getan? Was steht noch aus? Und was bedeutet das für Unternehmen, die heute internationale Fachkräfte gewinnen müssen?

Was der Koalitionsvertrag versprochen hat

Das Ziel war eindeutig formuliert: Fachkräfteeinwanderung soll zentralisiert, digitalisiert und deutlich effizienter werden. Konkret sollte die Work-and-Stay-Agentur:

  • alle Prozesse der Erwerbsmigration auf einer zentralen Plattform bündeln
  • Visa- und Anerkennungsverfahren beschleunigen
  • das „Once-Only-Prinzip” einführen - Dokumente einmal einreichen, nicht mehrfach
  • Transparenz über den Bearbeitungsstand schaffen
  • die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Behörden verbessern

(Quelle: CMS Law, Vorhaben zur Förderung der Fachkräfteeinwanderung im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung, 2025)

Der Hintergrund war dringend: Derzeit sind an einem einzigen Visumsantrag mindestens sieben verschiedene Behörden beteiligt. Prozesse laufen parallel, Dokumente werden mehrfach angefordert, Zuständigkeiten sind unklar. Deutschland verliert qualifizierte Talente nicht nur wegen des Fachkräftemangels, sondern wegen dieser strukturellen Ineffizienz.

Was seitdem tatsächlich passiert ist

✅ Kabinettsbeschluss: Die Eckpunkte stehen

Der erste konkrete Schritt folgte im Herbst: Am 5. November 2025 hat das Bundeskabinett die Eckpunkte für den Aufbau der Work-and-Stay-Agentur beschlossen. Federführend sind das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium des Innern. (Quelle: BMAS, Pressemitteilung, 5. November 2025)

Wichtige Klarstellung dabei: Es entsteht keine neue Behörde. Die WSA soll als zentrale Koordinierungsstelle bestehende Strukturen vernetzen - kein zusätzlicher Verwaltungsapparat, sondern eine intelligente digitale Schicht darüber.

✅ Vorarbeit war bereits geleistet

Interessant ist: Die Grundlage existiert bereits teilweise. BfAA-Präsident Holger Seubert erklärte beim Kabinettsbeschluss: Anfang 2025 hat das Auswärtige Amt ein digitales Auslandsportal eingeführt, über das Fachkräfte Visaanträge online stellen können. Bereits rund 20 Prozent aller Fachkräftevisa werden heute zentral vom Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten (BfAA) bearbeitet. Dieser Anteil soll mit dem Aufbau der WSA schrittweise auf 100 Prozent steigen. (Quelle: Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten, Pressemitteilung, 6. November 2025)

✅ Konsultationsverfahren gestartet

Im Anschluss an den Kabinettsbeschluss starteten BMAS, Auswärtiges Amt und BMI ein formelles Konsultationsverfahren. Arbeitgeber, Verbände und Fachorganisationen konnten bis Ende Januar 2026 Feedback zur konkreten Ausgestaltung einreichen. Das zeigt: Das Projekt ist von der politischen Willensbekundung in die aktive Planungsphase übergegangen.

Was noch aussteht

Trotz dieser Fortschritte sind zentrale Fragen offen:

  • Zeitplan und Kosten unklar: Ein detaillierter Zeit- und Kostenplan sollte bis zum 1. März 2026 vorliegen. Ob und in welcher Form dieser veröffentlicht wurde, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend kommuniziert. (Quelle: workandstayagentur.de, 2025)
  • IT-Ausschreibung steht erst bevor: Die Ausschreibung für die zentralen IT-Komponenten ist für 2026 geplant - nicht abgeschlossen. Die eigentliche technische Infrastruktur wird also noch Jahre in Anspruch nehmen.
  • Föderale Frage ungelöst: Der Digitalverband Bitkom warnt in seiner Stellungnahme, dass die WSA an föderalen Zuständigkeiten scheitern könnte, wenn die Einbindung der Länder nicht zügig geklärt wird. Die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen bleibt weiterhin Aufgabe der Länder und Kammern - eine Schnittstelle, die die WSA nicht einfach übernehmen kann. (Quelle: Bitkom, Stellungnahme Eckpunkte Work-and-Stay-Agentur, November 2025)
  • Kurzfristige Entlastung bleibt aus: Anwälte und Fachleute sind sich einig: Kurzfristige Entlastungen für Unternehmen und Fachkräfte sind nicht zu erwarten. Es handelt sich um ein komplexes Strukturprojekt, das schrittweise über mehrere Jahre umgesetzt wird. (Quelle: ra-maibaum.de, Analyse Work-and-Stay-Agentur, 2025/2026)

Die entscheidende Frage: Wird es wirklich einfacher?

Der politische Wille ist erkennbar. Der Prozess läuft. Aber Digitalisierung allein reicht nicht - wenn komplizierte Verfahren lediglich auf eine digitale Plattform übertragen werden, bleibt die Komplexität bestehen, nur mit moderner Oberfläche.

Bitkom bringt es auf den Punkt: Die WSA sollte als eigenständige Bundesoberbehörde konzipiert werden - nicht nur als Landing-Portal. Andernfalls werde die Chance vertan, die Verfahren wirklich zu vereinfachen.

Die eigentlichen Fragen bleiben also offen:

  • Werden Zuständigkeiten tatsächlich reduziert?
  • Gibt es verbindliche Bearbeitungszeiten?
  • Werden Unternehmen aktiv eingebunden?
  • Wird Integration ganzheitlich mitgedacht?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird klar, ob die Work-and-Stay-Agentur ein echter Systemwechsel wird - oder ein gut gemeintes Digitalisierungsprojekt mit begrenzter Wirkung.

Hier positioniert sich ON7 bereits heute

Wir bei ON7 warten nicht auf die fertige Infrastruktur. Wir bauen sie - auf Basis von Prinzipien, die auch politisch adressiert werden: zentrale Steuerung, digitale Prozesse, sprachliche Vorbereitung, transparente Migrationserfahrung.

Wir sehen, wo internationale Fachkräfte und Unternehmen scheitern:

  • langsame Kommunikation
  • unklare Zuständigkeiten
  • Sprachbarrieren
  • komplizierte Dokumentenprozesse
  • fehlende Vorbereitung vor der Einreise.

Deshalb denken wir Fachkräftemigration nicht als reine Vermittlung, sondern als integriertes digitales System. Von Sprachschulen im Ausland über Dokumentenmanagement bis hin zu Onboarding und Integration - ein durchgängiger Prozess statt isolierter Einzelschritte.

Die politische Entwicklung bestätigt die Richtung. Aber die Unternehmen, die jetzt handeln, haben den Vorsprung.

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